
Der Golden Retriever hat sich in einigen anderen europäischen Ländern zur beliebtesten Retriever-Rasse entwickelt. Dies verdankt er einer Reihe von Eigenschaften, wie sie in dieser Kombination bei kaum einer anderen Rasse beobachtet werden. Mit seiner hohen "Gehorsams- und Ausbildungsintelligenz" gehört er zu den besonders leicht erziehbaren Hunden: er lernt die meisten Befehle bereits innerhalb kürzester Zeit. Intensive Arbeit mit dem Hund bewirkt eine enge Bindung zwischen ihm und seinem Besitzer. Dadurch entsteht sein Drang, es seinem Besitzer immer recht machen zu wollen, sein will to please. Seine Anhänglichkeit bedeutet aber auch Sensibilität. Er braucht verständige Zuwendung, engen Kontakt zur Familie. Es widerspricht dem Wesen des Golden, vorwiegend im Zwinger gehalten zu werden. Die Familie ist sein Rudel, von dem er sich nicht trennen möchte. Dank seiner "Führigkeit", dank seiner Toleranz, seiner Kinderfreundlichkeit und seines besonders gutmütigen Wesens wird er oft als der ideale Familien- und Anfängerhund bezeichnet. Damit er das tatsächlich sein kann, muss der Besitzer aber auch dem Hund einiges geben: ursprünglich als Jagdhund gezüchtet, braucht er Beschäftigung, viel Bewegung, eine größere Wohnung, möglichst sogar ein Haus mit Garten. Mehrere Spaziergänge täglich, auch bei Wind und Wetter, müssen selbstverständlich sein. Damit er in den Händen eines Nicht-Jägers seinen Jagdtrieb nicht beim Wildern in Feld und Wald auslebt, sollte mit ihm gearbeitet werden. Er liebt es, spielerisch zu apportieren, er eignet sich als Blinden- oder Rettungshund, er wird als Lawinen- oder Drogensuchhund eingesetzt. Auch wer nicht beabsichtigt, ihm solche Aufgaben zu übertragen, sollte aber wissen, dass er seinem Hund viel Zeit widmen muss. Eine Grundausbildung ist die Basis, die jeder seinem Retriever angedeihen lassen sollte; dabei wird dann deutlich, welche weitere Beschäftigung für Hund und Besitzer am geeignetsten ist. Ein idealer Jagdgefährte für die Niederwildjagd
Der Golden Retriever wurde um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Schottland für die Jagd, vor allem in wasser- und deckungsreichem Gelände gezüchtet. Aber erst 1911 wurde er vom englischen Kennel-Club als eigenständige Rasse eingetragen. Geschossenes Wild aus dem Wasser oder auch aus dickem Gestrüpp seinem Herrn zu apportieren (engl. to retrieve) oder dank seiner hervorragenden Nase den Jäger zum geschossenen Wild zu führen, war seine ursprüngliche Aufgabe. Der starke Such-, Finde- und Bringwille, der dem Golden eigen ist, macht ihn auch heute noch zum idealen Helfer bei der Niederwildjagd. Dieselben Eigenschaften, gepaart mit Wesensfestigkeit, Ruhe und Ausdauer, sind es, die auch seinen Einsatz als Rettungs- oder Drogensuchhund möglich machen.
Damit ist er schon fast ein Allrounder. Aber es gibt auch etwas, für das er weniger geeignet ist: seine ausgeprägte Menschenfreundlichkeit ist nicht vereinbar mit Schutzhundfunktion, mit Mannschärfe. Wer einen Wachhund braucht, der Haus und Hof gegenüber Fremden wirkungsvoll verteidigt, sollte sich nach einer anderen Rasse umsehen, wenn er Enttäuschung vermeiden will. Sein Aussehen
Der typische Golden ist ein kräftig gebauter, mittelgroßer Hund mit langem glattem oder leicht welligem Haar, das reich an Unterwolle ist. Die Farben reichen von hell-creme (nie weiß) über hell-golden bis zu dunkel-golden (nie mahagoni). Kennzeichnend sind ein meist recht stark ausgeprägter Stop (seine 'Stirn') und seine großen Augen; dies verleiht ihm einen friedvollen, ruhigen Ausdruck, seine nach vorne gerichteten Augen eine überdurchschnittliche räumliche Sehfähigkeit. Die Kopfhaare sind kurz, so dass man das ausgeprägte Minenspiel deutlich erkennen kann. |